Hoffnung auf Kita mit gesunder Ernährung – vorerst gescheitert!

Allen Lesern ein gesundes und fittes neues Paleo-Jahr 2015! Ein sehr spannendes Jahr 2014 ist zu Ende gegangen mit so vielen persönlichen Veränderungen für uns wie noch nie in einem Jahr! Eine davon ist der Wechsel von der Tagesmutter zur Kindertagesstätte für unseren Sohn. Wie vieles im Leben brachte diese Veränderung sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Die Ernährung ist leider auf der Negativ-Seite zu verbuchen – und das, obwohl wir bei unserer Auswahl darauf geachtet haben, dass das Essen aus einer Bio-Küche kommt und dass die Einrichtung Wert darauf legt, dass die Kita frei von zuckerhaltigen Süßigkeiten bleibt…

Die Erfahrungen der letzten knapp zwei Monate haben mir nochmals die Augen geöffnet, wie viel bereits bei der Ernährung der ganz Kleinen hierzulande in unserer Gesellschaft schief läuft. Es fing schon damit an, dass es jeden Montag ein Nudelgericht gibt. Klar lieben Kinder Nudeln (ich verstehe es zwar nicht, aber es ist ein Fakt), aber dass es dann gleich jeden Montag so viele leere Kohlenhydrate sein müssen? Einmal im Monat würde vollkommen ausreichen! So jedoch wird der Appetit auf Pasta noch verstärkt. Das spüren wir deutlich an unserem Sohn – er verlangt dann auch zu Hause nach Nudeln. In den 1,5 Wochen „Weihnachtsurlaub“ hat er sie wieder vergessen, aber ich weiß schon, was mich heute Abend erwartet, nachdem es mittags Pasta gab… 🙁

Kindergarten-Essen nicht gesund

Hinzu kommt, dass es zum Vesper meist Brot gibt – noch mehr leere Kohlenhydrate! Wann sollen die Kinder denn wichtige Nährstoffe zu sich nehmen? Dass diese fehlen, zeigt der ständige Appetit auf mehr Essen. Wir sind sehr froh, dass Kian dann abends meist sehr viel Gemüse isst. Er kann dann nicht genug bekommen von Gurke oder Kohlrabi oder Kürbis oder was es gerade an Gemüse gibt. Wir können als Eltern nur hoffen, dass es das nährstoffarme Essen vom Tag einigermaßen ausgleicht.
Dienstag bis Donnerstag sind ganz okay, da gibt es immerhin Gemüse und an einem Tag Fisch oder Fleisch. Getrübt wird das positive am Gemüse dann manchmal durch die Zugabe von Soja, Mais oder Käse.

Die Krönung der Ernährungssünden gibt es dann jedoch freitags: Nach einer Vorsuppe wird ein süßes Gericht serviert, also z.B. Eierkuchen, Milchreis, Grießbrei, … – gesüßt mit Rohrohrzucker oder … und jetzt kommt der Horror schlechthin: AGAVENDICKSAFT! :‘-(
Auch mittwochs gibt es eine Süßspeise zum Nachtisch. Da kann man als Eltern zu Hause ein großes Vorbild in Bezug auf Ernährung sein wie man will – wenn solche Gewohnheiten im Kindergarten vorgelebt werden, ist man machtlos…

Gipfel des Ganzen war der Dezember: Vorweihnachtszeit. Da gab es regelmäßig Plätzchen und andere süße Sachen. Im Nikolauspäckchen war eine Mandarine und … Schokolade und Gummibärchen! Nur eine Mandarine hätte es auch getan… Einmal kam er mit einer Packung Maoam an, als wir ihn abholten! Aus seinen Erzählungen weiß ich, dass es immer wieder Kekse, Gummibärchen und Schokolade gab – also alles, wovor wir ihn bewahren wollten – all die Worte, die er vor dem Kindergarten noch nicht einmal kannte…
In unseren Vorgesprächen mit der Leiterin hatten wir extra sichergestellt, dass es keinen Zucker gibt – und nun Ausnahmen über Ausnahmen. Wir arbeiten daran, dass sich das ändert…

Ihr fragt euch sicher, welche Auswirkungen diese schlechte Ernährung auf unseren Sohn hatte. Da kommt einiges zusammen:

  • Durchfall (normal war der Stuhlgang in den knapp zwei Monaten nie, erst gestern wieder nach 1,5 Wochen Paleo-Kost zu Hause)
  • 1x in der Zeit hat er sogar erbrochen
  • Er fragt ständig nach Nudeln, Brot und Süßkram.
  • Er ist oft träge und faul, möchte getragen werden. Erst gestern nach anderthalb Wochen Paleo-Ernährung zu Hause habe ich das erste Mal wieder den aktiven, gern rennenden Jungen erlebt, den ich kenne und der nicht mehr „Tragen!“ nörgelt…

Puh, da gibt es noch viel Aufklärungsarbeit zu tun. Nach der Erfahrung ist mir auch klar, warum viele Kinder solche Couchpotatoes sind – die kohlenhydrat-lastige Ernährung macht sie träge…

Dass nicht gleich überall Paleo eingeführt wird, ist mir klar – zur gesellschaftlichen Akzeptanz ist es noch ein weiter Weg – aber folgende Forderungen sollten umsetzbar sein:

  • Kein Zucker und keine Zuckeraustauschstoffe, d.h. keine Süßspeisen, in der Essens-Versorgung von Kitas, auch nicht zu Weihnachten, Ostern, Geburtstagen. Wozu soll man Kindern in öffentlichen Einrichtungen schlechte Ernährungsgewohnheiten antrainieren??? Die Entscheidung für oder gegen Zucker sollte allein den Eltern vorbehalten sein! Zucker-Lobby ade!
  • Viel mehr Gemüse! Die Versorgung mit Nährstoffen ist vor allem bei Kindern extrem wichtig für deren gesunde Entwicklung!
  • Dafür viel weniger leere Kohlenhydrate wie Nudeln und Brot. Die damit verbundenen Blutzuckerschwankungen können unsere Kids nicht gebrauchen, denn das ist es, was müde und träge macht!
  • Wenigstens einmal pro Woche Fisch + einmal pro Woche Fleisch, um alle vom Körper benötigten Nährstoffe zuzuführen.

Ist doch nicht zu viel verlangt, oder?

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Essen eurer Kinder in Kita und Schule? Habt ihr Unterschiede bemerkt zwischen den Zeiten, in denen eure Kids zu Hause essen und denen in Kindergarten oder Schule? Ich freue mich auf eure Erfahrungsberichte!

8 Kommentare auf “Hoffnung auf Kita mit gesunder Ernährung – vorerst gescheitert!”

  1. anne sagt:

    Hallo, eine sehr spannende Diskussion!
    Ich stehe noch am Anfang von Paleo, habe erst am Montag begonnen mich strikt nach Paleo zu ernähren und zu leben. Wobei die Grundprinzipien genau mir entsprechen, nur das Konzept/ der Rahmen dazu hatte mir gefehlt. Jetzt bin ich happy. Ich bin 25 und arbeite in einer Kita als stellvertretende Leitung. Ich habe mich die Tage gefragt, was Paleo-Eltern mit ihren Kindern in der Kita machen?! Jetzt lese ich es ja… Irgendwie nicht zufrieden stellend! In meinem Team herrscht eine ähnliche Einstellung wie bei Giuseppe. Einige haben Verständnis für meine Ernährung (nehme mir jeden Tag eigenes essen mit) andere können es gar nicht nachvollziehen. Könnt ihr mir vllt weiterhelfen, wie oder wo ich herausfinden kann, wie viele Eltern Bedarf an einer Kita nach Paleo-Konzept haben und wo das regional ist, wenn es so ist?! Bin ja ziemlich neu in der Paleo-Welt… Vllt kann man ja mal eine Kita- Konzeption dazu erstellen…
    Viele liebe Grüße
    anne

    • Yvonne sagt:

      Hallo Anne,
      vielen Dank für deinen Kommentar!
      Es ist spannend, dass du an eine Paleo-Kita denkst, finde ich super! Meiner Einschätzung nach würden da höchstens Berlin, Frankfurt und München momentan in Frage kommen. Du könntest eine Umfrage aufsetzen, z.B. mit Survey Monkey, und diese dann über die verschiedensten Paleo-Blogs und Paleo-Facebook-Gruppen streuen. Das würde ich gern unterstützen, interessiert mich ja auch. Wollen wir das zusammen aufsetzen?
      Würde mich sehr freuen 🙂
      Liebe Grüße,
      Yvonne

      • anne sagt:

        Liebe Yvonne,
        vielen Dank für deine motivierende Antwort und den gleich mitgelieferten Tipp. Ist eine super Idee von dir mit der Umfrage, ich kannte dieses Programm dafür noch gar nicht… Ich muss mir mal Gedanken zu Fragen machen, du dazu nötig sind. Wie z.B. nach der Lage der Kita, dem Bedarf an Angeboten für Eltern, Zusammenarbeit mit Eltern, wären die Eltern bereit dafür mehr zahlen…
        Wohnst du auch in Berlin?
        Lg anne

        • Yvonne sagt:

          Liebe Anne,
          nein, ich wohne in Dresden, bin aber ab und zu in Berlin, das nächste Mal Ende Februar. Wir können uns gern mal zusammensetzen. Schreib mir gern an yvonne@paleokids.de 🙂
          LG, Yvonne

          • anne sagt:

            Ich habe dir mal eine Mail geschickt… Ich hoffe die kam auch an! Als ich dir gestern nämlich meinen ersten Entwurf der Umfrage weiterleiten wollte, ging das leider irgendwie nicht.
            Ist es möglich die Umfrage, wenn sie fertig ist, hier auf deinem blog zu stellen uns so antworten interessierter Eltern zu erhalten?

            • Yvonne sagt:

              Hey Anne,
              habe deine Mail bekommen, nur noch nicht geschafft, zu antworten – mache ich heute Abend!
              Das Weiterleiten von Websites an meine E-Mail-Adresse geht manchmal nicht, weil viele die neuen Domainendungen noch nicht anerkennen. Ich schicke dir eine alternative E-Mail-Adresse, zu der es funktionieren sollte 🙂
              Sehr gern können wir aus der Umfrage einen eigenständigen Blogbeitrag machen. Den würde ich dann noch in verschiedenen Netzwerken verteilen, um möglichst viele Antworten zu bekommen.
              Also, du hörst heute Abend von mir 😉
              LG, Yvonne

  2. Giuseppe sagt:

    Arbeite selbst in einer Kita und habe 2 Kinder zu Hause. Ich kenne die Problematik. In der Kita bin ich zur Zeit mit einer Kollegin die Einzigen die sich nach Paleo ernähren, von 25. Die Kinder bekommen das Mittagessen von einem Großunternehmen. Da haben wir dann mindestens 2mal die Woche Nudeln. 1mal die Woche Fisch und Fleisch. Gemüse ist auch vorhanden , doch dies ist meist in einer Soße ertränkt. Weiterer Nachteil ist das lange warmhalten und der Verlust der Nährstoffe. Zusatzstoffe wie Phosphat,Konservierungsstoffe und ander „Zuataten“ sind normal. Nachtisch gibt es oft gesüßten Quark oder Joghurt.Eine Portion Mittagessen kostet die Eltern 2,79Euro.
    Zum Mittagsimbiß reichen wir dann Obst&Gemüse aber auch Knäckebrot,Zwieback und Reiswaffeln. Regelmäßig gibt es Brot und Brötchen vom Bäcker. Ist ja das gesunde Vollkornbrot. Was etwas beruhigend ist, die Milchprodukte sind alle in Demeterqualität. Wobei die Milch dann mit Kakao gesüßt wird. Ich erinnere mich noch an eine Dienstbesprechung über den Fettgehalt der Milch. Ob wir die 3,8% ode die 1,5% Milch bestellen sollten. Die Diskussion über die Gefahren von Fett waren haarsträubend! Wir nehmen die 1,5% Milch seit den Tag.
    Schlimm sind Geburtstage und Feste. Demnächst Fasching mit Buffet. Ich erinnere mich ungern an letztes Jahr. Ein Aufgebot und Überangebot an Krapfen, süße Stückchen, Gummibärchen,Schokomuffins..etc. Die Kinder waren so aufgekratzt und sind komplett durchgedreht. Aber es ist ja Fasching!
    Ich kann in meinem Kollegium nicht dagegen ankommen. Die Stadt gibt uns die Vorgaben, welches Essen wir anbieten und Eltern beschweren sich bei den Portionspreisen nicht. Als einzelne Person kämpfe ich gegen Windmühlen und habe resigniert. Wenn Eltern mich ansprechen zu meiner Ernährung erkläre ich gerne und ausführlich. Laufe auch ganzjährig Barfuß in der Kita 🙂
    Doch es ist zu verankert in den Köpfen das zu einer ausgewogenen Ernährung Nudeln,Getreide und auch Süßes dazu gehört. Das bischen macht doch nichts! ,ist die häufigste Antwort.
    Die Antwort liegt in der vorbildlichen Funktion von Euch als Eltern. Du kannst die Kita und ihre Eltern nicht umerziehen und ihnen ihre Nudeln und Süßigkeiten nehmen. Vielleicht in 10 Jahren? Lebe deinem Kind gute Ernährung vor und er wird sich irgendwann selbst mehr für die Gemüsesticks anstatt den Kuchen entscheiden. Und wenn nicht, dann wenn er älter ist. Mache das mit meinen Kindern genauso. Wir achten sehr darauf, dass Nudeln selten auf den Tisch kommen. Doch in einer italienischen Familie ist das fast ein Kulturbruch keine Nudeln zu essen 🙂 Unsere Pizza machen wir mittlerweile aus Kartoffeln, ist zumindest ein Kompromiss. Die Süßigkeiten machen wir selbst oder nehmen nur hochwertige Schokoloade 70% und mehr. Eis mache ich aus gefrorenen bananen selbst. Mein 4 jähriger liebt das Eis. Im Sommer bekommt er trotzdem das Eis aus dem Kaffe.
    Schwieriges und langwieriges Thema…aber sehr spannend was da wohl noch alles an Diskussionen kommen wird.
    Lese gespannt weiter!

    lg
    Giuseppe

    • Yvonne sagt:

      Hallo Guiseppe,
      entschuldige die späte Antwort. Unser Sohn hatte mit einer Erkältung zu kämpfen und da war nicht viel mit erholsamem Schlaf in der Nacht 🙁 Woher die Erkältung wohl kam… ;(
      Das ist traurig, dass selbst du als Vorbild in der Kita nichts bewirken kannst, liegt aber wohl auch daran, dass die DGE mit ihrer Ernährungspyramide in die Köpfe der Menschen eingebrannt ist und einfach zu viel Autorität ausstrahlt. Es beschäftigt sich ja kaum jemand damit, was dahinter steckt. Da sind uns die Schweden wirklich einige Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte voraus, denn dort wurden die Vorgaben geändert in Richtung Low Carb…
      Ja, „spezielle Anlässe“ sind immer das Schlimmste – seltsamerweise wundert sich dann auch keiner, dass danach der Krankenstand viel höher ist. Das passiert ja meist etwas zeitversetzt, also assoziiert man das nicht miteinander…
      „Das bisschen macht doch nichts!“ – Da liegen wohl die Definitionen von „bisschen“ meilenweit auseinander, denn generell stimme ich dem zu, dass es die Menge macht, nur bei mir ist ein „bisschen“ höchstens einmal die Woche, bei anderen ist „bisschen“ eben täglich… Am Ende kommt es ja auch darauf an, was außer den Nudeln, Getreide und Süßigkeiten sonst noch auf dem Speiseplan steht. Wenn da wenigstens als Ausgleich genügend Gemüse gegessen würde, wären die Auswirkungen auf die Gesundheit sicher nicht ganz so dramatisch, aber wo ist das schon der Fall…?
      Ja, wir machen auch alles selbst, so wie du es beschreibst. Unser Sohn mag sogar die 92%ige Schokolade (hat auch schonmal 100%ige mit Begeisterung gegessen…). Jetzt mit dem Kindergarten muss man schon aufpassen, dass seine Geschmacksnerven so fein bleiben. Wir sind zu Hause definitiv Vorbilder und essen jede Menge Gemüse. Manchmal, wenn er es erst ablehnt, dann isst er es am Ende doch, nachdem er uns eine Weile zugeschaut hat 😉
      Ich glaube auch, dass ihm diese geschmackliche Prägung später sehr helfen wird, gesunde Entscheidungen beim Essen zu treffen…
      Liebe Grüße,
      Yvonne

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