Ketogene Ernährung, Fasten und Vitamin D – zur Behandlung von Zivilisationskrankheiten und gesundheitlichen Prävention

Fazit zum 2. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Paläoernährung – Teil 2

Teil 1 kannst du hier nachlesen.

Nach der Pause referierte Philipp Rauscher zum Thema intermittierendes Fasten. Beim sogenannten ESE-Fasten (Eat-Stop-Eat) wird z.B. zweimal in der Woche für 24 Stunden gefastet. Dies kann unter anderem zu einer verbesserten Insulinsensibilität führen und den Blutdruck senken. In einer Studie mit Ratten ergab das intermittierende Fasten eine 25%ige Erhöhung der Lebenserwartung. Man kann dies sicher nicht 1:1 auf den Menschen übertragen, aber angenommen, beim Menschen ist die Wirkung nur halb so gut, dann ergäbe das bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren eine Erhöhung um 10 Jahre – das macht viel aus! Prof. Dr. Jörg Spitz fügte bei der anschließenden Diskussion hinzu, dass das intermittierende Fasten eine Erneuerung der Mitochondrien bewirkt – so lässt sich dies gut nachvollziehen.

Der nächste Vortrag war der am heftigsten diskutierte – vielen fällt der Verzicht auf Milchprodukte sichtlich schwer… Thema war „Milch als Promoter westlicher Zivilisationskrankheiten“, vorgetragen von Dr. Evelyn Orsó in Vertretung für Prof. Dr. Gerd Schmitz. Sie zeigte Studien, wonach Milch den Insulinspiegel erhöht, Akne und Sterilität verursacht, das Brustkrebsrisiko erhöht sowie bei Schwangeren zu dicken Babys als auch exzessiver Gewichtszunahme der Schwangeren führen kann.

Nach einer kurzen Pause folgte Ulrike Gonder, Ernährungswissenschaftlerin, mit ihren sehr interessanten Ausführungen zur ketogenen Diät als Therapieansatz bei Demenzerkrankungen (sehr kohlenhydratarme Ernährung). Es wurde nachgewiesen, dass ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel (selbst ohne Diabetes Typ 2) die kognitiven Fähigkeiten negativ beeinflusst. Bei einer weiteren Studie bekamen Senioren im Pflegeheim eine kohlenhydratreiche Kost, wodurch sich das Gedächtnis verschlechterte und abweichende Verhaltensweisen zunahmen. Besonders beeindruckend fand ich die unterstützende Wirkung von Kokosöl auf die Ketogenese, wodurch das mit Energie unterversorgte Gehirn von Alzheimer-Patienten wieder mehr Energie bekommt und deutliche Verbesserungen erzielt werden können – ein beeindruckendes Beispiel ist der Uhrentest im Bild (Paper dazu gibt es hier):

Uhrentest Demenz Alzheimer

Eindrucksvoll ist auch die Wirkung der Gabe von Ketonestern bei Alzheimer-Patienten, eine neue Studie, die erst 2014 veröffentlicht wurde – die Ergebnisse sprechen für sich:

Newport Ergebnisse durch Ketonester

Der nächste Redner war Florian Schilling, Heilpraktiker, zur Ernährung bei Tumorerkrankungen. Seine Ausführungen waren sehr wissenschaftlich, weshalb ich nicht näher darauf eingehe – Fazit ist, dass eine ketogene Ernährung gegen jeden der unterschiedlichen Tumorstoffwechseltypen von Vorteil ist.

Den krönenden Abschluss machte Prof. Dr. Jörg Spitz, Nuklear- und Präventionsmediziner, mit seinen Schilderungen zum „Natur-Defizit-Syndrom: Was außer Ernährung und Sport noch zählt“. Es gibt zahlreiche Einflussfaktoren auf unsere Gesundheit – ca. 70-90% der Bundesbürger haben bei den jeweiligen Faktoren Defizite. Bereits 81% der Deutschen weisen ein Ernährungsdefizit auf, da sie nur einmal täglich oder sogar noch weniger Gemüse und Obst zu sich nehmen. 70-80% schaffen nicht einmal 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche. Besonders verheerend ist die Situation auch bei Vitamin D – besonders im Winter weisen etwa 80% der Deutschen einen Mangel auf.

unterbelichtet - Vitamin-D-Mangel
In 2010 gab es eine Studie mit Schulkindern. Dabei wurde durch die Gabe von Vitamin D3 (1200 IE/d) eine 64%ige Risikoreduktion für Influenza gegenüber der Kontrollgruppe mit Placebo festgestellt und sogar eine 83%ige Risikoreduktion in Bezug auf Asthma-Anfälle. Bei einer weiteren Studie mit Frauen wurde das Krebsrisiko durch Vitamin D um 70% reduziert. Auch für neurologische Prozesse ist Vitamin D extrem wichtig – und vieles mehr; am besten lest ihr direkt bei Dr. Spitz nach:

Zum Schluss lieferte er noch das beste Resümee des Tages – besser hätte ich es nicht zusammenfassen können 😉

Zusammenfassung

6 Kommentare auf “Ketogene Ernährung, Fasten und Vitamin D – zur Behandlung von Zivilisationskrankheiten und gesundheitlichen Prävention”

  1. Tanja sagt:

    Huhu ^^
    Danke für die tolle Zusammenfassung!
    Was mich interessieren würde ist, bezog sich der Vortrag über Milch auf sämtliche Milch, oder nur auf „konventionelle“ pasteurisierte und/oder ultrahocherhitzte Milch? Mit Rohmilch ist die schließlich nicht zu vergleichen…

    Grüße,
    Tanja

    • Yvonne sagt:

      Hallo Tanja,
      ja, da hast du Recht. Genau diese Frage wurde auf dem Symposium auch gestellt. Bei den Studien handelte es sich um „konventionelle“ Milch (auf jeden Fall pasteurisiert; nicht sicher ob ultrahocherhitzt). Auf einer der Folien zum Thema Sterilität stand: „Zwischen Demeter-Kuhmilch und Hochleistungs-Kuhmilch exponentieller Anstieg des Sexualhormongehaltes“. Außerdem gelten die Aussagen nur für Milch, zu Milchprodukten gibt es noch keinerlei Studien. Da könnte es durch Fermentation schon wieder ganz anders aussehen.
      Ich denke, das Gebiet ist noch sehr wenig erforscht und am besten testet man selbst, ob man Rohmilch(-produkte) verträgt, indem man sie 30 Tage weglässt und danach testet, wie man reagiert, wenn man sie wieder zu sich nimmt. Pasteurisierte Milch würde ich in jedem Fall meiden…
      Viele Grüße,
      Yvonne

      • Tanja sagt:

        Hallo Yvonne,

        mit Kuhmilchhatte ich eigentlich noch nie Probleme, bei meinen Kindern weiß ichs nicht, da sie keine bekommen. Der Große isst zum Abendessen aber am liebsten Obstjoghurt, seit hier ein neuer Bioladen aufgemacht hat, bekomm ich aber auch (endlich) Rohmilch (zumindst einmal die Woche), und mach daraus den Joghurt auch selbst, und er verträgts auch super. So sauer wie der wird dürfte aber auch nichtmehr viel Laktose drin sein.

        Ich denke, der Hauptgrund, warums relativ wenig Forschung dazu gibt, wie Fermentation die Verträglichkeit erhöht (bzw, Antinährstoffe abbaut) ist, dass es der Industrie egal ist. Ich will nicht wissen, um wie viel z. B. Brot teurer werden würde, wenn alles allein nur mit Sauerteig gebacken würde…
        Das wär ein spannendes Thema für ne Bachelorarbeit, vielleicht lässt mich einer meiner Professoren was dazu schreiben (ich studiere Lebensmitteltechnologie, oder versuchs zumindest, mit zwei kleinen Kindern)

        Grüße, Tanja

        • Yvonne sagt:

          Hallo Tanja,

          dazu nochmal ein paar Gedanken von mir:
          Ich dachte auch immer, dass ich Kuhmilch vertrage. Ich habe Unmengen davon getrunken! So manch körperliche Beschwerden oder einfach nur Abgeschlagenheit habe ich damit nie assoziiert. Dann haben wir Milch und Milchprodukte für 1-2 Monate weggelassen und danach wieder probiert (Rohmilchkäse von Ziege und Schaf, was ja besser verträglich sein soll). Leider haben wir festgestellt, dass es sowohl Müdigkeit als auch Hautprobleme mit sich bringt, also haben wir Milchprodukte nun komplett von unserem Speiseplan gestrichen.
          Wenn man sich das aus Perspektive der Natur überlegt, ist es doch logisch: Kuhmilch ist für die Kälber gedacht, Schafsmilch für Lämmer, Ziegenmilch für Zicklein. Muttermilch enthält die Wachstumshormone und spezifischen Nährstoffe für die Spezies, für die sie gedacht ist. Wie können wir Menschen also denken, dass unser Körper gut damit zurechtkommt?
          Wenn wir bei Babys mit Beikost starten, dann haben die Kleinen manchmal Durchfall oder Erbrechen. Denken wir dann darüber nach, wodurch das kommt? Oder denken wir alle, das ist normal bei Babys? Ist es nicht so, dass das Frühwarnsystem für „schlechte Nahrung“ bei unseren Kleinsten noch funktioniert? Nach einer Weile hören die Symptome dann auf, weil der Körper irgendwie lernt, damit klar zu kommen. Das heißt aber nicht gleichzeitig, dass die Nahrung dann für unseren Körper gut ist. So früh lernt der Körper schon, nicht mehr auf die eigenen Reaktionen zu achten…

          Ich fände es sehr spannend, wenn du daraus eine Bachelorarbeit machst! Ich freue mich, wenn du mich dazu auf dem Laufenden hältst 🙂
          Wo studierst du denn?

          Liebe Grüße,
          Yvonne

  2. Julia Gruber sagt:

    Wow, super Zusammenfassung, Yvonne! Ich habe auf meinem Blog auch meinen persönlichen Bericht zum Symposium veröffentlicht (http://ernaehrungs-coach.com/ein-inspirierendes-event/), der ist um einiges knapper ausgefallen 😉 Deshalb habe ich deine beiden Artikel gerade sehr gerne gelesen, danke dafür!
    viele Grüsse aus der Schweiz
    Julia

    • Yvonne sagt:

      Hallo Julia,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe deinen Artikel eben auch gelesen und finde ihn ebenfalls sehr ausführlich. Er ergänzt meinen sehr gut, finde ich 😉
      Finde ich toll, dass ihr auch eine Paleo-Gesellschaft in der Schweiz gründen wollt. Viel Erfolg!
      Viele Grüße,
      Yvonne

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